(Quelle: Artikel von Eva-Maria Reuther, TV-Trier vom 30.11.2022)

Durch Lachen zur Erkenntnis

Herumzueiern ist seine Sache nun wirklich nicht. Roland Grundheber ist ein Mann entschiedener Haltung. Ob es sich um Politik, Kultur, massenmedialen Wahnsinn oder den des ganz normalen Alltags handelt.

30.11.2022 , 17:38 Uhr

 

Wenn er sagt: „Ich bin ehrlich, ich bin klar, ich bin keinem dienstbar“, klingt das, als ob er seine gesprochene Visitenkarte abgäbe. Mut und Eigenständigkeit sind fraglos Grundvoraussetzungen für die Arbeit eines Karikaturisten, wie auch der Trierer einer ist, will er ernst genommen werden und vor sich selbst geradestehen können.

Karikaturist könne nur werden, wer an ein Leben nach dem Tod glaube, hat mal einer seiner prominenten Kollegen gefrotzelt. Auch dem Trierer macht sein spitzer Stift nicht nur Freunde. Anderes wäre bei einem Mann, der notwendigerweise den Finger in die Wunde legt und dessen Bilder in der Linie gefasste Satire sind, auch schon fast bedenklich. Über mangelnde Fans muss sich der Künstler trotzdem nicht beklagen. Die Gemeinde ist groß, die seiner vergnüglichen gezeichneten Kritik auf Facebook oder Instagram folgt oder sich allwöchentlich als Leser des Trierischen Volksfreunds darüber freut.

Schon immer hätten ihn Grenzüberschreitungen gereizt, erzählt der studierte Gebrauchsgrafiker. Zur Karikatur habe ihn sein kritischer Geist gebracht, der sich mit der Ungerechtigkeit, der Ungleichheit und anderen Verwerfungen dieser Welt nicht abfinden könne. Tatsächlich haben Grundhebers Karikaturen stets etwas Empathisches, manchmal Rührendes, das den Menschenfreund verrät und auch jenen Clown, den der Karikaturist als sein Alter Ego bezeichnet, das tief in seinem Innern beheimatet ist.

„Der Clown in mir ist der Diktator“, sagt der Künstler. Und eben dieser Clown will herrschen und mit Ernst Spaß haben. Und ein Poet ist er auch. Ob Weltmeisterschaft, Weihnachtsrummel, Kirche oder Energiekrise: Alles spießt Grundhebers Stift auf. Es gäbe kein Thema, dass sich nicht für die Karikatur eigne, sagt der Mann mit dem Schalk im Blick. Für Karikaturisten ist wie für die Komödie das Lachen ein Weg zur Erkenntnis. Mit Belehrung oder gar erhobenem Zeigefinger hat Grundheber allerdings nichts im Sinn. Sein spitzer Stift und sein anderer Blick aufs scheinbar Offensichtliche dienen wie alle Kunst lediglich der Bewusstseinserweiterung.

Kunst sind Karikaturen auf jeden Fall und entstehen auch mit deren Mitteln, soll heißen nach Regeln der Kompositionslehre und im Suchen, um die schlüssige Verbindung von Inhalt und Form. Die Karikatur sei für ihn die schwierigste Kunstform sagt Grundheber, da er dabei einzig auf die Linie als Ausdrucksmittel angewiesen sei.

Zurück zum Grenzgänger: Grenzüberschreitungen pflegt der Künstler auch innerhalb der Sparten. Neben seiner Arbeit als Karikaturist ist er Maler, Autor. Kabarettist und Comedian. Demnächst ist in der Tufa wieder seine alljährliche Comedyshow zu sehen, die er gemeinsam mit der Cellistin Angela Simons präsentiert. „Lachgedacht“ heißt die Show. Ein aussichtsreiches Programm: „Die Welt wird sich so entwickeln, dass Lachen gefragt ist“, glaubt Grundheber.

 (Quelle: Artikel und Fotos von Karin Pütz, TV-Trier vom 09.10.2022) 


Vom unerfüllten Beamten zum glücklichen Clown: Wie Roland Grundheber sein Leben umkrempelte.

 

Trier. Roland Grundheber hat vor vielen Jahren das verwirklicht, was sich viele nicht trauen: den Beruf gegen die Berufung einzutauschen. Nun ist er Künstler – alles andere wäre bei ihm Verschwendung von Lebenszeit.

09.10.2022 , 12:19 Uhr

 

Wie eine Pflanze, die in einen falschen Topf gepflanzt wurde und dort verkümmert, habe sich Roland Grundheber gefühlt. „Meine größte Leistung war, dass ich mich selbst umgetopft habe.“ Der 64-Jährige sitzt in seinem Atelier in Trier-Ehrang an einem großen Tisch, der mit Zeichnungen und Entwürfen übersät ist. Auch auf dem Boden liegen fertige und halbfertige Entwürfe seiner Arbeiten, an den Wänden hängen sehr kleine und sehr große Bilder.

 

Als junger Mensch wird er Beamter bei der Bahn …

Von seinen Eltern sei er als junger Mensch in den Beamtenbetrieb bei der Bahn „hineininstalliert“ worden. Damals sei das eben so gewesen. Die Kinder sollten „etwas Ordentliches“ werden – mit „Flausen“ verdient man schließlich kein Geld. Das war in seiner Generation nichts Außergewöhnliches und ist oft auch heute noch das Totschlagargument in Familien.

Doch während sich andere damit abfinden, möglicherweise ein Leben lang einer Arbeit nachzugehen, die sie nicht ausfüllt, unglücklich und schlimmstenfalls depressiv macht, hat der gebürtige Ehranger Roland Grundheber irgendwann die Notbremse gezogen – um bei der Sprache der Eisenbahn zu bleiben.

 

…aber wirft die Laufbahn schließlich hin.

Denn auch nach Jahren als Bahnbeamter, mittlerweile mit Frau und vier Kindern, merkte er immer noch, dass da ein anderes Leben nach ihm ruft. Also studierte er nebenbei Kommunikationsdesign und Kunst. Er restaurierte Möbel, schleppte Kohlen, und auch seine damalige Frau unterstützte ihn, um finanziell über die Runden zu kommen.

Mit seinem Wunsch, seine Beamtenlaufbahn hinzuwerfen, stieß er auf Widerstand. Freunde und Bekannte rieten ihm ab. „Du spinnst!“, habe es geheißen. „Aber ich habe mich das getraut, was andere sich nicht trauen“, erzählt er. Die Zeit, in der er mit anderen Menschen deshalb haderte, sei vorbei. „Ich bin so, wie ich spinn“, lautet heute sein Lebensmotto.

Mit sich und seinem Leben ist er im Reinen. „Ich sehe das Leben als ein Buch mit mehreren Kapiteln.“ Dass er dort immer wieder mal mit Anstand und Respekt zurückblättern kann, sei ihm wichtig. Er bestehe aus mehreren Persönlichkeiten, behauptet er, der eine Clownschule besucht hat, um seinem inneren Clown Raum zu geben.

Doch bis er diesen endlich aus sich herauslassen konnte, war er über 40. Dieser Clown sei der Boss all seiner Persönlichkeiten. Und der helfe ihm dabei, dem Karikaturisten, dem Maler und dem Schriftsteller die Ideen zu liefern. „Man kann alles erreichen, wenn man seine eigenen Talente findet“, sagt Roland Grundheber, der sich mittlerweile in der Region als Künstler einen Namen gemacht.

 

Bunte Farben und kreatives Chaos: Grundhebers Atelier in Ehrang

In seinem Atelier in Ehrang hängen großflächige Bilder in bunten Farben. Hier herrscht kreatives Chaos, Roland Grundheber sprüht vor Ideen. Während des Gesprächs springt er immer wieder auf, um Zeichnungen, Bücher oder Gegenstände zu zeigen, von denen er gerade erzählt.

Auf seinem Zeichentisch steht ein Glasgefäß, das bis oben mit Bleistiftstummeln gefüllt ist. Von diesen Behältnissen gäbe es noch mehr, sagt er. „Das ist ein Gnadenhof für Bleistifte. Bis sie zu klein wurden, haben sie mir gute Dienste geleistet, die kann man doch nicht einfach wegwerfen.“

Es ist anzunehmen, dass noch zahlreiche Bleistifte in diesen Gefäßen landen, Roland Grundheber ist ein gefragter Künstler: Für die KG Heuschreck arbeitet er derzeit an einem Jubiläumskalender, und auch die regelmäßig im Volksfreund erscheinenden Karikaturen zeichnet er mit viel Liebe zum Detail. Dort bringt er messerscharf und mit viel Humor Missstände und Ungerechtigkeiten zu Papier.

„Meine Ideen kommen in einer Schnelligkeit, sodass manche davon von anderen überrannt werden. Aber wenn ich den Ideen nicht nachgehe, verlässt mich vielleicht der Clown in mir“, gibt der 64-Jährige zu bedenken, der 2019 für den Trierer Stadtrat kandidiert hatte.

Manchmal sei er für ein paar Wochen einfach unterwegs. Wie vor 10 Jahren, wo er für einen guten Zweck zu Fuß von Trier nach Rom gegangen ist – unterwegs säte er Sonnenblumen am Wegesrand. Darüber liege noch ein Manuskript in Form von über 400 handgeschriebenen Seiten im Schrank. „Irgendwann“ will er das mal verlegen lassen.

 

„Meine Aufgabe besteht darin, anderen Leuten eine Freude zu machen“

Nun holt er eine große Kiste hervor, sie ist randvoll mit kleinen Notizbüchern, in denen er über die Jahre Gedanken, Witze, Pointen und Beobachtungen notiert hat, die mitunter in seinen bisher veröffentlichten Büchern, Zeichnungen oder Bühnenprogrammen Verwendung finden.

Auf Letzteres weist er mit besonders viel Leidenschaft und mit strahlenden Augen hin: Am 10. Dezember will er im großen Saal der Tufa mit einem ganz besonderen Comedyprogramm auftreten. Es wird eine „philodoofische Show“, mit Erzählungen aus seinem Leben. Begleitet wird er von Solo-Cellistin Angela Simons, die „das herrlich Unsinnige musikalisch sinnig macht“. „Lachgedacht“ soll die Show heißen und verheißt angesichts dessen, was Roland Grundheber an Ideenreichtum in seinem Kopf hat, ein unterhaltsamer Abend zu werden.

„Meine Aufgabe besteht darin, anderen Leuten eine Freude zu machen“, erzählt er. „Das ist aber nicht so uneigennützig, wie es aussieht, denn das ist meine größte Freude“, fügt er verschmitzt hinzu. Seine Augen schauen über seine Lesebrille hinweg, sein Markenzeichen, einen schwarzen Hut, trägt der mittlerweile 12-fache Großvater auch jetzt. Er wirkt glücklich und „im richtigen Blumentopf“ angekommen. Roland Grundheber vereint viele Persönlichkeiten in sich – die eines typischen Beamten ganz bestimmt nicht.

 (Quelle: Artikel und Fotos von Nils Straßel, TV-Trier vom 01.01.2021) 

Trierer Künstler macht die Porta Nigra zum Symbol der Hoffnung

Trier. Roland Grundheber verkauft Dutzende Exemplare seiner „Kerzen-Porta“ und spendet den Erlös unter anderem für Amok-Opfer

01.01.2021 , 14:11 Uhr

 

„Aus Leid wird Freude“ ist das Motto der Spendenaktion des Trierer Kunstmalers Roland Grundheber. Der Karikaturist, dessen Werke oftmals auch im Trierischen Volksfreund erscheinen, verkauft Versionen seines „Kerzen-Porta“-Motivs, das er im Zuge der Trierer Amokfahrt entwickelt hat. Er spendet alle Einnahmen für soziale Zwecke. Die Einnahmen der ersten zehn Verkäufe in Höhe von 1000 Euro gingen komplett an das Spendenkonto der Stadt Trier.

Grundheber strebt eine Auflage von insgesamt bis zu 100 Exemplaren an, wobei zukünftige Einnahmen an andere Hilfsorganisationen wie den Kinderschutzbund oder die Obdachlosenhilfe gehen sollen. Im Gespräch mit dem TV fügt der Maler hinzu, dass er auch kleine persönliche Spenden für Kranke, Verletzte oder arme Menschen in Betracht zieht. „Mein Ziel ist es, etwas Positives aus diesem Ereignis zu ziehen. Was passiert ist, ist schrecklich. Das Bild soll ein leuchtendes Symbol sein und Hoffnung vermitteln. Deshalb auch das Kerzenmotiv.“

Bereits 15 Minuten nachdem er erfahren hatte, was in der Trierer Innenstadt passiert sei, setzte sich Grundheber in sein Atelier und skizzierte, was ihm zu der Tragödie durch den Kopf ging. Heraus kam ein Porträt der Porta Nigra mit den Türmen an Ost- und Westseite als Trauerkerzen. „Ich spiele schon seit Jahren in meinen Werken mit der Porta. Dieses Motiv war sehr natürlich für mich“, erklärt Grundheber.

Von der Resonanz zu seiner Kreation ist er sehr beeindruckt. Zwei Wochen, nachdem er die ersten zehn Exemplare auf Facebook angeboten hatte, waren schon alle verkauft. Außerdem wollte jeder der Interessenten die größere Version im Format zehn mal zehn Zentimeter für 100 Euro erstehen – niemand die kleinere Ausgabe für 50 Euro.